Heinz Friedrich ist tot - ein Nachruf

In der Nacht zum 18.April 2008 ist Heinz Friedrich verstorben. Die Braunschweiger ai-Gruppe trauert um ihn. Im Jahr 1969 hatte er die Braunschweiger Gruppe von amnesty international mit anderen zusammen gegründet. Er hatte gerade sein 2.Staatsexamen gemacht und arbeitete seit einem Jahr an der Hauptschule Rotenburg in Braunschweig. Ab 1969 war er auch in der Planungsgruppe für die 1.Integrierte Gesamtschule in Braunschweig, der IGS-West, tätig. Dort gab es auch immer wieder Menschenrechtskurse mit einem engen Bezug zu ai.

Hier einige Angaben zu seinem Leben, in dem Fragen zu Krieg und Frieden und wie eine bessere Welt entstehen kann bzw.was man dafür tun kann, dass eine bessere und gerechtere Welt entsteht, schon früh eine Rolle spielen.

Heinz Friedrich war 1930 in Breslau geboren, verlebte seine Kindheit in Bad Warmbrunn im Riesengebirge und arbeitete nach dem Kriegsende bei einem polnischen Bauern. Im Mai 1946 wurde er nach Duderstadt in die damalige britische Besatzungszone ausgewiesen. 1947 war er Mitgründer der SPD nahe stehenden Sozialistischen Jugend Deutschlands ("Die Falken") und wurde dort Vorsitzender des Ortverbandes Duderstadt (und Südostniedersachsens).

Auch weiterhin erfolgte eine Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit; in der NS-Zeit war er als Kind bzw. Jugendlicher im Jungvolk der Hitlerjugend gewesen. Durch diese Erfahrungen entstand sein Wunsch, sich für die Menschenrechte einzusetzen und dass es nie wieder Krieg geben möge.

Er wurde Postbeamter und heiratete 1952. Ein Jahr später (1953) wurde er Mitglied der Internationale der Kriegsdienstgegner (IdK). Als in Deutschland im Jahr 1956 die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, begann er mit der ehrenamtlichen Tätigkeit als Rechtsbeistand für Kriegsdienstverweigerer - insgesamt in mehr als 100 Fällen. Im privaten Leben wurde nun auch seine Tochter Ute geboren (1956).

1960 war er Mitbegründer der Ostermarschbewegung gegen Atomwaffen in Ost und West und organisierte mit anderen die Ostermärsche in Braunschweig und Norddeutschland. Einige Jahre später (von 1965-68) studierte er an der PH Braunschweig und wurde Lehrer.

Im Jahr 1969 gründete er mit anderen die Braunschweiger Gruppe von amnesty international und nahm an der Planungsgruppe für die IGS Weststadt teil. An der Schule, die dann 1971 gegründet wurde, war er von 1972-1992 u.a. Lehrer für Menschenrechte (im Wahlpflichtbereich in den 9. und 10.Jahrgängen des Faches Gesellschaftslehre).

Aus dieser Menschenrechtsarbeit ist 1979 die Projektpartnerschaft  "Bäume für Sahel - Bäume für Ouallam" entstanden, die bis heute fortdauert. Dies Projekt ist insgesamt auch eine Herzensangelegenheit für ihn gewesen.

10x war er dort im Niger, mehrmals auch mit Schülern und Kollegen. Viel ist dort entstanden, viele Bäume wurden dort – in der Wüstenregion – um eine Schule gepflanzt. Heute ist dort ein grüner Wald.

Daneben baute er auch einen Schulkontakt nach Ecuador auf, drei Mal war er mit Schülern dort, 6x kam ein Gegenbesuch.

1992 trat er in den Ruhestand. Auch weiter war er für seine Ideale aktiv. Im Jahr 2002 wurde ihm für seine Verdienste die Bürgermedaille der Stadt Braunschweig verliehen.

Die Arbeit von ai verfolgte er immer mit großem Interesse. Wenn er auch nicht mehr direkt in der Gruppe mitarbeitete, so trat er doch bei Veranstaltungen, z.B. beim Tag der Menschenrechte auf, als Vortragender, als Berichtender.

Heinz Friedrich ist ein Beispiel dafür, wie man Menschenrechte in die Tat umsetzt. Deutlich geworden natürlich in seinem Engagement für Afrika und dem Niger, konkret in Ouallam und der dortigen Schule. Dabei war ihm die „Afrikanische Charta der Rechte der Menschen und Völker“, die es seit Oktober 1986 gab, immer ein besonderes Anliegen. So entstand  - neben den neu eingepflanzten Bäumen – auch ein starkes Menschenrechtsbewusstsein an der dortigen Schule…

In den Tagen vor seinem Tod noch nahm er an dem „Gemeinsam-Preis 2008“ der Braunschweiger Zeitung teil. An dem Tag vor seinem Tod erschien noch ein großer Artikel über ihn mit seinem Bild vor dem Plakat von Ouallam mit der Überschrift „Monsieur Heinz und sein Herz für Afrika“. Schon am nächsten Tag erschien sein Bild neben den anderen Kandidaten mit der Todesnachricht. So war er tätig – eigentlich bis zum letzten Atemzug, immer wieder…

Sein Motto könnte man eigentlich so bezeichnen: „Gegen Unrecht sein und das Gute tun.“

Lieber Heinz, die mit Dir zu tun hatten, denken gern an Dich.

Am Ende sollen die Worte noch von Herrn Illiasson, dem ersten Botschaftsrat der Republik Niger, stehen, die dieser in einer kleinen Rede bei der Beerdigung vor vielen Gästen sagte: „Ich kann Ihnen versichern, sehr geehrte Damen und Herren, dass das Werk unserer Freundes Heinz für ewig im Gedächtnis der Schüler und Bewohner von Ouallam geprägt sein wird, denn – wie man es bei uns im Sahel sagt – wer einen Baum gepflanzt hat, der hat nicht umsonst gelebt, und Du, Heinz, hast tausende gepflanzt. "

 

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