"Solange wir einen Stift halten können" - Salzgitter-Gruppe von Amnesty International feiert in diesem Jahr 30-jähriges Bestehen

Kurz nach Gründung der Amnesty-Sektion Deutschland taten sich 1978 engagierte Personen zur Gruppe Salzgitter zusammen, um die Einhaltung der Menschenrechte zu unterstützen. In 30 Jahren wirkten viele Menschen mit verschiedensten Berufen, Schüler, Studenten und Hausfrauen mit.

Derzeit sind wir zehn Personen, die durch Briefaktionen, Mahnwachen, Kinofilme, Gottesdienste, Vorträge, Fotoausstellungen, Infostände o.ä. auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen. Jede/r bringt seine individuellen Fähigkeiten und Ideen mit ein. Jede/r investiert soviel Zeit, wie sie/er erübrigen kann.

Unser Ziel ist, Öffentlichkeit zu schaffen und für Menschen, die in ihren Heimatländern keine Möglichkeit dazu haben, deren grundlegenden Menschenrechte einzufordern. Dazu zählen Personen, die willkürlich verhaftet, gefoltert oder bedroht werden, denen die Hinrichtung droht oder die dem Verschwindenlassen zum Opfer fallen. Ebenso appellieren wir an Regierungen, Täter von Menschenrechtsverletzungen aufzuspüren und einer gerechten Strafe zuzuführen.

Amnesty-Gruppenmitglieder zahlen keine Beiträge. Jede Amnesty-Gruppe muss aber jährlich einen Beitrag an das Nationale Büro in Berlin abführen. Dieses Geld muss durch Spenden, Fördergelder oder Aktionen aufgebracht werden. Es wird benötigt, um Research- und Kampagnenarbeit, Informationsmaterialien, usw. zu finanzieren. Ein Teil fließt an das Internationale Büro in London.

Wir treffen uns jeweils am zweiten Dienstag im Monat um 19.00 Uhr im Seniorentreff Am Strumpfwinkel 24 in Salzgitter-Lebenstedt. Wir freuen uns über Interessierte und Gäste!

Im Jahr 2010 sind dies: 12. Jan., 09. Feb., 09. März, 13. April, 11. Mai, 08. Juni, 10. August, 14.Sept., 09. Nov., 14. Dez.

Amnesty International
Gruppe 1641 Salzgitter
Christa Christlieb,
Tel. (05341) 63801
sz@amnesty-braunschweig.de

Spendenkonto:
Bank für Sozialwirtschaft Köln
BLZ 370 205 00, Kto.-Nr. 80 90 100
Kennziffer: 1641

LEBENSTEDT. Sie sind längst eine Familie geworden. Amnesty International (AI) – das ist in Salzgitter ein Dutzend Frauen und Männer, die sich für die Menschenrechte in aller Welt einsetzen. Einige von ihnen waren schon bei der Gründung vor 30 Jahren dabei.

Niemand kannte Amnesty damals, an ihren Tapeziertisch-Infoständen wurden die Menschenrechtler als Linksradikale beschimpft, erinnert sich Gründungsmitglied Horst
Christlieb (67). Gemeinsam mit seiner Frau Christa (62), heute Sprecherin der AI-Gruppe, Renate Benstem (61) und Kassiererin Marianne Depuhl (51) sitzt Salzgitters AI-Familie am Kaffee-Tisch. Es gibt übernatürlich guten Preiselbeerkuchen, Kaffee und Roiboos-Tee. Man schwelgt in Erinnerungen.

Amnesty hatte damals daran zu knabbern, dass sich die Organisation auch für humane Haftbedingungen für die Terroristen der Rote Armee Fraktion einsetzte. Terrorismus bleibt ein heikles Thema, aber das schwierigste ist die Todesstrafe. "Machen Sie mal eine Umfrage in der Bevölkerung, wenn gerade mal wieder ein Kind umgebracht wurde", sagt Marianne Depuhl. "Dass eine Mutter oder ein Vater den Mörder dann am liebsten umbringen würden, das verstehen wir auch."

Aber Amnesty ist in jedem Fall gegen die Todesstrafe. "Ein Staat", sagt Christa Christlieb nachdrücklich, "kann sich nicht mit einem Mörder auf dieselbe Stufe stellen." Früher seien mehr Menschen für den gnadenlosen Staat gewesen als heute. Da haben, berichtet Christa Christlieb, Damen und Herren aus der älteren Generation mit ihrem Spazierstock auf die Puppen gedroschen, mit denen Amnesty auf Folter und Todesstrafe aufmerksam machen wollte. ",Für diesen Arsch setzt ihr euch ein?‘, haben die gerufen", sagt Christa Christlieb. ",Ihr müsst mit in den Sack.‘"

Peter Bick, der Pastor der St.-Lukas-Gemeinde in Lebenstedt, hat AI in Salzgitter 1978 gegründet. Damals bekam jede Gruppe einen politischen Gefangenen im Ausland zugeteilt, um den sie sich kümmerte. Die Menschenrechtler aus Deutschland schrieben Briefe an Behörden und ins Gefängnis, setzten sich für die Freilassung oder zumindest für humane Haftbedingungen ein.

Das war durchaus auch frustrierend. Der erste Gefangene, für den sich die Salzgitteraner engagierten, war ein verschwundener Argentinier. Nach mehreren Jahren der Nachforschungen und der Hoffnung musste Amnesty aber aufgeben. "Er war wohl doch umgebracht worden", vermutet Horst Christlieb heute. Später kümmerten sich die Menschenrechtler rund um die Familie Christlieb um Gefangene in Vietnam, Kolumbien oder Malawi.

Besonders spektakulär: Amnesty erreichte 1991 die Freilassung des malawischen Arztes George Mtafu. Der Neurochirurg hatte mit seiner Familie von 1979 an für mehrere Jahre in Lebenstedt gelebt, war dann nach Afrika zurückgekehrt und ist dort Ende der 1980er-Jahre ohne Anklage und Gerichtsverfahren in Isolationshaft gesteckt worden. Viele Salzgitteraner, sogar ganze Schulklassen, setzten sich durch Briefe und Unterschriftensammlungen für Mtafu ein – und hatten schließlich Erfolg. "Mtafu wurde freigelassen und bekam sogar zwei Ministerämter", berichtet Christa Christlieb.

Heute sieht die Amnesty-Arbeit anders aus. "Jetzt geht es nicht mehr nur um einzelne Gefangene, sondern darum, die Gesellschaft zu ändern", sagt Marianne Depuhl. Wenn es irgendwo auf der Welt Menschenrechtsverletzungen gibt, dann bombardiert Amnesty die Regierungen mit Briefen und E-Mails. "Wir haben etwa 120 Briefeschreiber, 80 versenden E-Mails", sagt Christa Christlieb. Bringt das was? "Vielleicht sagt der Botschafter ,Na und?!‘, aber wenn die innerhalb einer Woche einen Korb voll Post kriegen, dann wissen die schon, worum es geht."

Rund ein Dutzend Mitglieder hat die Amnesty-Gruppe in Salzgitter heute noch. "Solange wir einen Stift halten können", sagt Christa Christlieb, "machen wir weiter."

Salzgitter-Zeitung, 09.05.2008

30 Jahre Einsatz für Menschenrechte - Amnesty International Salzgitter feiert Jubiläum mit Benefizkonzert in Altentagesstätte

LEBENSTEDT. Vor 60 Jahren verkündete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Seit 30 Jahren gibt es die Salzgitteraner Gruppe von Amnesty International (AI). Beide Jubiläen waren Anlass zum Feiern. Die AI-Gruppe Salzgitter hatte am Freitagabend zum Benefizkonzert in den Garten der Altentagesstätte am Strumpfwinkel eingeladen. In den Räumen der Einrichtung trifft sich die Gruppe regelmäßig jeden zweiten Dienstag im Monat um 19 Uhr. Normalerweise findet das jährliche Benefizkonzert am 10. Dezember am internationalen Tag der Menschenrechte in der Kniestedter Kirche statt. Da aber die Gründung der AI-Gruppe Salzgitter im August 1978 erfolgte, entschieden sich Sprecherin Christa Christlieb und ihre Gruppe, das Benefizkonzert in den Sommer vorzuverlegen. Unterstützt wurden sie dabei von dem Altentagesstättenteam um Seniorentreffleiterin Martina Fritsche, die dafür sorgten, das Getränke und Sandwiches für die zahlreichen Besucher bereitstanden. Den musikalischen Beitrag lieferte diesmal die Salzgitteraner Formation "Voltage", die ebenfalls in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum feiert. Mit Rock und Blues trugen die vier Musiker zur guten und ausgelassenen Stimmung bei. Die AI-Gruppe Salzgitter gehöre zu den ersten Gruppen der weltweiten Hilfsorganisation, die sich in Deutschland gegründet haben, berichtete Sprecherin Christa Christlieb stolz. Gründungsmitglied Horst Christlieb ist noch dabei. Seit 30 Jahren setzt sich AI Salzgitter gegen Menschenrechtsverletzungen in aller Welt ein, schreibt Appelle und Briefe, organisiert Ausstellungen und beteilige sich an der Hilfe für Opfer. In diesem Jahr befasst sich AI Salzgitter naheliegenderweise mit der Menschenrechtssituation in China. "Wir wollen mit unserem Engagement erreichen, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte überall in der Welt wirksam wird", betonte die Sprecherin.

Salzgitter-Zeitung, 18.08.2008

Amnesty feiert Jubiläum - Gruppe in Salzgitter zählt zu den ältesten in Deutschland

LEBENSTEDT. Vor 60 Jahren wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterschrieben. Seit 30 Jahren besteht die Amnesty-Gruppe Salzgitter. Beide Jubiläen feierten die Salzgitteraner Amnesty-Aktiven mit Gästen bei einer szenischen Lesung der Göttinger Literarischen Gesellschaft und des Literaturbüros Salzgitter. Unter dem Titel "Die wieder gefundene Sprache" wurde das Thema eindrucksvoll zur Geltung gebracht. Otto Jansen umrahmte die Aufführung einfühlsam auf dem Saxophon. Gruppensprecherin Christa Christlieb machte bei ihrer Begrüßung auf die Bedeutung der Menschenrechtscharta aufmerksam. Einiges habe sich in den vergangenen 60 Jahren zum Guten gewendet, doch noch immer litten Menschen unter brutalen Regimen, die bestehende Menschenrechtsvereinbarungen schlicht und einfach ignorierten. Hier gelte es für die Mitarbeiter von Amnesty, einen langen Atem zu behalten und beharrlich die Einhaltung der Menschenrechte zu fordern. Schließlich könne die Organisation seit ihrem Bestehen auf viele erfolge verweisen. Besonders der öffentliche Druck, der durch massenhafte Appelbriefe erzeugt werde, bewege viele Regierungen zum Einlenken. Kein Politiker dieser Welt wolle in der Öffentlichkeit als "schwarzes Schaf" gebrandmarkt werden. Und dieser Umstand führt zu Zugeständnissen, wie beispielsweise die Freilassung politischer Gegner, zum Stopp der Folter oder zur Aussetzung der Todesstrafe. 30 Jahre Amnesty in Salzgitter sei der zweite Anlass zum Feiern, sagte Christlieb. 1978 habe Pastor Peter Bick mit etwa einem Dutzend Mitstreiter hier eine der ersten Amnesty-Gruppen Deutschlands gegründet. Bick lebe und arbeite heute in Bremen in der Seemannsmission. Zum Veranstaltungsabend war er nach Salzgitter gekommen. Auch Gründungsmitglied Horst Christlieb, der Amnesty bis heute verbunden geblieben ist, saß im Publikum. Beide wurden geehrt.

Salzgitter-Zeitung, 23.12.2008

Rückblick:



02.04.2008 Appelle an die Regierungen dieser Welt


Konzert am Tag der Menschenrechte mit der Irish-Folk-Band Dun Aengus (2006).










13.12.2005 Tag der Menschenrechte: Paradise Now

22.11.2005 Menschenrechte im Schatten Putins


,,Dies ist keine Kunstausstellung, sondern eine Demonstration"
Dietrich Wegner und ai zeigen Bilder gegen Unrecht und Gewalt (2005).






08.05.2005 D. Wegner: keine Kunstausstellung, sondern eine Demonstration


,,Ich habe meine Kindheit verloren..."
Die ehemalige Kindersoldatin China Keitetsi berichtet eindrucksvoll über ihre Erlebnisse (2004).







10.06.2004 Kindersoldatin China Keitetsi: "Ich habe meine Kindheit verloren"

18.02.2004 Waffen unter Kontrolle: Rüstungsexporte und Menschenrechte


,,Keine Waffen mehr für Gräueltaten!", "Stoppt den unkontrollierten Waffen-handel!"
Das Musikensemble Klezmers Techter, die ai-Gruppe Salzgitter und besorgte Bürgerinnen und Bürger demonstrieren gegen Rüstungsexporte (2003).





14.08.2003 Briefe für die Freiheit: Orden für Christa Christlieb

30.05.2003 Menschenrechte gehen alle an: 25 Jahre ai Salzgitter