Stille im Saal: "Ich habe meine Kindheit verloren..."

Die ehemalige Kindersoldatin China Keitetsi berichtet auf Amnesty-Einladung eindrucksvoll über ihre Erlebnisse



Lebenstedt, 10.06.2004 – China Keitetsi (26) ist eine zierliche Person mit schwarzen, kurzen Locken. Wer sie sieht, mag gar nicht glauben, dass diese Frau mit dem ernsten Gesicht schon in frühen Jahren getötet hat - als Kindersoldatin in Uganda.

"Wir in Europa können uns oft gar nicht vorstellen, dass es überhaupt Kindersoldaten in der Welt gibt", eröffnet Christa Christlieb, ehrenamtlich bei Amnesty International Salzgitter tätig, den Vortrags- und Diskussionsabend im Gewerkschaftshaus in Lebenstedt. "Und dabei gibt es weltweit mehr als 300.000 Kindersoldaten, davon ein Drittel allein in afrikanischen Ländern", sagt Christa Christlieb weiter.

China Keitetsi verbrachte ihre Kindheit in einem Trainingscamp in Uganda - getrennt von Eltern und Geschwistern. Der Leiter Yoweri Mouseveni führte eine Gruppe von Aufständigen gegen die Regierung und war der erste, der Kinder als Kämpfer für die "National Resistance Army" einsetzte.

Wirkte es auf die Kinder zunächst noch wie ein Spiel, endete dieser Irrglaube für China abrupt mit dem Tod eines Freundes durch die Kugeln der Feinde: "Unsere Vorstellung von Gefahr war begrenzt, alle zogen an einem Strang, aber wir hatten auch nichts, wohin wir zurückgehen konnten", schreibt die junge Frau in ihrer Biographie. Lähmende Stille unter de rund 40 Zuhörern.

Der Kampf ist jedoch nicht der einzige Dienst, den junge Frauen zu leisten hatten. Auch waren sie private Hausangestellte und mussten Vergewaltigungen durch die Hausherren über sich ergehen lassen.

"Heute bin ich an einer Schule gewesen, und es macht mich sehr glücklich, junge Leute zu treffen", erzählt China. "Denn diese haben noch nichts zu dem Schicksal beigetragen, dass mir widerfahren ist", sagt sie.

Mit Hilfe der UNO floh die Afrikanerin 1999 nach Dänemark. Ihre beiden Kinder, eine Tochter (9) und einen Sohn (6), musste sie zurücklassen. Wie so viele Male an diesem Abend, wenn China Keitetsi von ihren Kindern erzählt, streicht sie sich liebevoll über ihren Bauch.

"Ich wusste nicht, was die Zukunft bringen würde, weder für mich noch für meine Kinder", berichtet sie und fügt hinzu. "So gerne wäre ich wie die jungen Leute hier und würde zur Schule gehen. Aber ich habe meine Kindheit verloren."

Immer wiederholt sie, wie leer sie sich fühle und wie stolz sie trotzdem sei, Mutter zu sein. Im August will China Keitetsi nach Afrika zurückkehren, um ihre Tochter zu suchen, zu der gar kein Kontakt mehr besteht. Mit ihrem Sohn kann sie dagegen regelmäßig telefonieren.

Um anderen Kindersoldaten zu helfen, hat die Frau eine Foundation gegründet. Die Stiftung bietet Partnerschaften für ehemalige Kindersoldaten an und will ein Haus in Afrika bauen, "in dem sich die Kinder wohlfühlen, zur Schule gehen und eine Ausbildung machen können". Da lächelt China Keitetsi.

[Salzgitter-Zeitung]


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