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Paradise Now: Film lockte nur wenige
Tag der Menschenrechte — Resonanz enttäuschend Salzgitter, 13.12.2005 - Stell Dir vor, es ist Tag der Menschenrechte und niemand nimmt Kenntnis davon. Und das in Zeiten von Guantanamo, Entführungen im Namen der CIA, Selbstmordattentaten in vielen Ländern, auch in England und Spanien. Christa Christlieb, seit 16 Jahren Sprecherin der Salzgitteraner Amnesty-Gruppe, hatte jetzt dieses ernüchternde Erlebnis. Anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte am 10. Dezember hatte sie den auf der jüngsten Berlinale preisgekrönten Film „Paradise Now" nach Salzgitter geholt und seit Oktober massiv in Schulen, Kirchengemeinden und bei Privatpersonen für einen Kinobesuch am vergangenen Wochenende geworben. Die Reaktion: Ordentlicher Besuch in Salzgitter-Bad. In Lebenstedt sahen am Samstag lediglich 19 Personen den Film, am Montag fiel die für Schulen gedachte Vormittagsaufführung gar aus. Nur zwei Interessierte hatten sich ins Kultiplex verirrt. „Ich bin sehr enttäuscht", sagte Christlieb der SZ. „Paradise Now" sei ein beeindruckender Streifen, der einerseits den hochaktuellen palästinensich-israelischen Konflikt beleuchte, andererseits die Bereitschaft junger Menschen, Selbstmordattentäter zu werden, hinterfrage. „Mit diesem Film als Grundlage ließen sich viele interessante Unterrichtsstunden gestalten", denkt Christa Christlieb, die besonders traurig darüber ist, dass sich keine einzige Lebenstedter Schule bei ihr zurückgemeldet hat und das „obwohl unsere Gruppe sonst oft und gerne für Projekte angefordert wird." Mit Enttäuschung reagierte auch Kinobesitzer Meinhard Funk auf das mangelnde Interesse am vielfach prämierten Film. Er fragt sich: „Sagt unserer Jugend eigentlich niemand mehr, wie gefährlich es ist, unkritisch zu sein?" [Salzgitter Zeitung] Paradise Now des palästinensich-israelischen Regisseurs Hany Abu-Assad hat während der 55. Internationalen Filmfestspiele in Berlin 2005 Publikum und Presse begeistert. Er gewann den Publikumspreis, wurde als bester Europäischer Film mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnet und erhielt zudem den Friedenspreis von amnesty international. Paradise Now erzählt die Geschichte zweier junger Palästinenser, die man dazu bestimmt hat, sich als Selbstmordattentäter in Tel Aviv in die Luft zu sprengen. Die voraussichtlich letzte Nacht ihres Lebens dürfen sie noch einmal im Kreise ihrer Familien in Nablus im Westjordanland verbringen. Am nächsten Morgen werden sie an die israelisch-palästinensische Grenze gebracht. Die Bomben sind von außen unsichtbar an ihren Körpern befestigt. Doch dann verläuft die Operation nicht wie geplant: Die beiden Freunde verlieren sich aus den Augen. Getrennt und auf sich allein gestellt müssen sie ihr jeweils eigenes Schicksal meistern und am Ende eine erneute Entscheidung über Leben und Tod fällen. «« |